METAL CHURCH - Generation Nothing

 

Man konnte ein neues Album nicht unbedingt erwarten. Wurde es doch nach dem etwas halbgaren, letzten Werk „This Present Wasteland“ lange Zeit ruhig um Metal Church. Außer diverser Solo-Alben oder Projekten von Kurdt Vanderhoof und Ronnie Munroe kochte die Kirche des Metal eher auf Sparflamme. Umso überraschender die Ankündigung eines neuen Werkes, welches nun in Form von „Generation Nothing“ vorliegt.

Allerdings kann das Album mit dem Coverartwork erst einmal nicht punkten. Diese punkige und moderne Attitüde passt irgendwie nicht zu Metal Church. Auch wenn es wohl zu dem lyrischen Konzept des Werkes passt. Vielleicht hätte man wieder, wie beim Vorgängeralbum, im Nezt einen Aufruf starten sollen, wie das Artwork auszusehen hat (mein Vorschlag damals ging übrigens unter).

Letztendlich ist es aber die Musik, die zählt....und die hat es (wieder) in sich.

„Bulletproof“ lässt härtetechnisch zu Beginn keine Wünsche offen. Teils modernes Riffing, teils old schooliges Gitarreninferno. Und über allem thront die fantastische Stimme von Ronnie Munroe, welcher singt/schreit wie ein junger Metal Held. Irgendwie erinnert mich der Knabe immer an einen melodischeren Blitz Ellsworth von Overkill. Der Song vereint alte Trademarks, mit neuen Aspekten und geht als zielsicheres Schnell-Geschoß durch. Top Einstieg !

Eine echte Wuchtbrumme folgt mit „Dead City“. Mit einem tollen, melodischen Refrain versehen donnert sich der Titel durch die Boxen. Klasse Gitarrensolo und Ronnie's markante Schreie, die man unter tausenden sofort heraushört formen einen kommenden Metal Church Klassiker, der sich nicht vor den Großtaten der ersten beiden Alben verstecken muß.

Das Titelstück „Generation Nothing“ entwickelt sich zu einem echten Groove-Monster. Die nichtssagende Generation anklagend und routiniert im Midtempobereich werkelnd, merkt man Metal Church die jahrzehntelange Songwritingerfahrung in jedem Ton an. Perfektes Schwermetall, hymnisch, US episch und in keinster Weise an Trends anbiedernd. Ronnie's Performance lässt mich immer wieder fassungslos niederknien. Was für ein Sänger !

Mit „Noises in the Wall“ folgt ein fast 9-minütiges Epos, welches sphärisch, verträumt beginnt. Der Spannungsbogen wird langsam mit Drums und Gitarre akkustisch aufgebaut, um sich letztendlich zu einem gutklassigen, mittelschweren Riff-/Refrain-Gourmethappen zu entwickeln. Vanderhoof und Van Zandt lassen Kritiker ein um's andere Mal erneut verstummen, zu genial wirkt das Zusammenspiel der einzelnen Parts, ohne aufgesetzt zu erscheinen. Der Song kickt und stampft, daß es eine wahre Freude ist. Ein ausgedehnter Instrumentalpart rundet das Ganze ab.

Old schoolig und eingängig geht’s weiter mit „Jump the Gun“. Schnellere Abgeh-Nummer mit absolut genialem Refrain in der Tradition von „The Spell can't be Broken“. Sehr abwechslungsreiche Gitarrenarbeit und Ronnie in Weltklasseform. Einfach nur genial !!

Tonnenschwer legt sich „Suiciety“ über den geneigten Hörer. Zumindest zu Beginn, bevor der Song zu einer schnellen Abfahrt in „Start the Fire“ Manier mutiert. Der Song fällt qualitativ etwas ab, die erhabenen Schreie Munroe's erhöhen allerdings das Level. Schön auch der Spoken-Words-Part, der zwischendurch für Abwechslung sorgt und ein tolles Ende des Songs einleitet.

Nicht nur aufgrund der Schnelligkeit erinnert „Scream“ an eine melodischere Version von Overkill. Straight nach vorne preschend, das schnellste Stück des Albums, allerdings ohne größeren Wiedererkennungswert. Mehr ein Füller....gut gespielt, aber nicht im Ohr bleibend.

Spannend wird es wieder mit „Hits Keep Coming“. Atmosphärisch dunkler Beginn geht einer äußerst melodischen Halb-Ballade voraus. Abwechslung zwischen harten Riffs und ruhigen Passagen, wie man es von verschiedenen Metal Church Klassikern bereits kennt, ohne jedoch als billiger Abklatsch daher zu kommen. Der Refrain kann erneut voll und ganz überzeugen und die düstere Grundstimmung trägt zum Gelingen bei. Referenz an alte Großtaten !

Eher durchschnittliche Kost bietet dagegen „Close to the Bone“. Zwar hat der Song seine durchaus erquickenden Momente, wie beispielsweise das harte Gitarrensolo, oder auch der speedige Refrain, aber alles in allem doch eher ein Stück aus der zweiten Reihe.

Dafür gibt es zum Abschluß mit „The Media Horse“ nochmal ein echtes Pfund. Der Song baut sich langsam mit Gesang/Gitarre auf, nimmt an Fahrt auf, bricht das Ganze durch ein kurzes ruhiges Break ab, wird wieder schneller und unterbricht wieder. Es geht hin und her. Musikalisch äußerst heavy markiert der Track einen gelungenen Ausstand eines äußerts gelungenen Albums.

Natürlich wird es wieder die Nörgler geben, die neben dem Ur-Sänger David Wayne höchstens noch dessen Nachfolger Mike Howe gelten lassen und somit nur die ersten drei Metal Church Alben  als solche definieren.

Aber, man kann die Kirche auch mal im Dorf lassen....heißt, daß man mit Ronny Munroe seit mehreren Alben einen adäquaten Sänger in den Reihen hat, der annähernd den Spirit der Vergangenheit in das Hier und Jetzt transportiert. Für mich besitzt er gar eine Ausnahmestellung in der heutigen Metal Szene und man sollte dies honorieren, ohne ewig gestrig zurückzuschauen.

Eine Reunion mit David Wayne kann es nun mal nicht mehr geben.

„Generation Nothing“ ist ein erstklassiges Album geworden, welches ich, wie bereits erwähnt, so nicht mehr auf der Platte hatte. Mit einer gelungenen Mischung aus Zitaten alter Klassiker und modernerem Songwriting findet man ein ideales Rezept ,die Metal Church Jüngerschaft hungrig aber respektvoll zu bedienen. Über die musikalischen Qualitäten der Band muß man eh nichts mehr sagen und bis auf 2-3 Füller befinden sich auf dem Album ausnahmslos tolle Kirchenlieder.

Auch in der heutigen Generation finden Metal Church ihren berechtigten Platz – mehr denn je....

 

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