HIMMEL - A Long Cold Winter

Es ist schon erstaunlich welche Promos einen manchmal erreichen. Wir sind hier bei Monkey Castle aufgrund der Crew recht Metal-lastig, haben uns aber auf die Fahne geschrieben, der Rockmusik generell offen gegenüber zu stehen. Was aber, wenn die Grenze zur Rockmusik dann doch unterschritten wird ? So geschehen mit dem Album „A Long Cold Winter“ des Projektes Himmel.

Ein Projekt, aus der Taufe gehoben vom Gitarristen Luca Bluefire, der anscheinend einen Rock-Background hat, die Info spricht von Black Rainbows and A Blue Fire. Ok, kenne ich beides nicht, aber gut.  

Die Musik von Himmel liegt, ebenfalls lt. Info, in der Nähe von Bands wie M83, Beach House und DIIV. Kenne ich alles auch nicht, aber gut.

Jedefalls hat Luca mehrere Damen um sich geschart, die seine Musik gesangsmäßig interpretieren.  

Es sei mir verziehen, daß ich auch diese holden Weiblichkeiten nicht kenne.

Beim Eröffnungssong „Reverie“ hören wir eine gewisse Aurora Sebastiani am Mikro. Die macht ihre Sache nicht schlecht und passt hervorragend zur „himmlischen“ Atmosphäre der Musik.

Denn diese macht dem Bandnamen alle Ehre. Größtenteils besteht der Song aus einer traumwandlerischen Gitarrenmelodie, gebettet auf animierten Bass und Drumspuren, was aber nicht weiter stört. Und die engelsgleiche Stimme lässt einen unweigerlich freudestrahlend in den blauen Himmel schauen. Alles wirkt positiv und schön und lädt zum Träumen ein. Die Musik von Himmel erinnert ein wenig an Mike Oldfield. Sicherlich keine schlechte Referenz.

Die Quintessenz liegt eindeutig darin, wunderschöne Melodien zu erschaffen. Entsprechend ruhig und entspannt zwitschert es aus den Boxen. In Zeiten von Hektik, Stress und Ärgernis kommt solche Musik gerade recht, um auch mal die Füße hochzulegen. Ab und zu gibt es dann auch mal einen vokalisch (hier singt eine gewisse Mak Others) wie gitarristischen Ausburch, wie bei „Promises“, was dann gleich etwas...ja...rockiger klingt.

Lola de Hanna singt danach in „Give me Life“. Auch hier scheint wieder komplett die Sonne. Und wirklich....die Gitarre von Luca Bluefire inspiriert durch ihren wunderschönen Klang zum Relaxen und Seele baumeln lassen. Klar, das Ganze hat mehr mit Pop, denn Rock zu tun, aber ist weit entfernt von dem ganzen Quatsch, der einem in der Szene vorgesetzt wird.

Der Meister selbst kommt aber auch mal ohne Gesang aus und bietet uns mit „Magneto“ ein Instrumental, daß aber aufgrund der Unterlegung mit Computersounds nicht so gefällt. Hochmelodisch ist's aber nach wie vor allemal. Könnte gut als Hintergrundmusik von Landschaftsbildern, die in Fernseh-Dokus gezeigt werden, Verwendung finden.  

Nicht wirklich dunkler wird’s bei „The Dark“. Gesang:  Millie Gaum. Ein ganz ruhiger Song, mit fast ausschließlich gezupfter Gitarre und einem hübschen Refrain. Der halb-symphonische, neo-prog-taugliche Instrumentalpart verursacht meterdicke Gänsehaut.  

Luca Bluefire greift dann auch mal selbst zum Mikro. Allerdings wirkt sein Gesang in „Shatter“ eher versteckt, denn als Lead-Stimme. Könnte man daher durchaus auch als (fast) Instrumental bezeichnen.

Mit „Blackest Hearts“ folgt dann der mit 6 Minuten längste Song des Albums. Geprägt wird der Song hauptsächlich durch Spoken-Word Parts, weit entfernt wirkendem Gesang (wieder Luca Bluefire) und einem Solo, bei dem Luca mal eine leichte Rock-Gitarre auspackt.  

Warum das Album ausgerechnet „A Long Cold Winter“ heißt, wo doch so viel Wärme in der Musik von Himmel transportiert wird, weiß ich auch nicht. Auf jeden Fall soll wohl das abschließende, instrumentale „Snow Glitters“ einen gewissen Bezug auf den Titel darstellen. Der Song ist lediglich ein leiser Ausklang des Albums.  

Nein, man kann die Musik von Himmel wirklich nicht mehr zur Rockszene zählen. Aber auch ein gestandener Rocker wie ich, lässt sich gerne von solchen Melodien, wie sie Luca Bluefire und seine Damen offerieren, verzaubern. Und wenn die Schwiegermutter zu Besuch kommt, kann man durchaus auch dieses Album auflegen, ohne daß ein folgender Ehekrieg entsteht.  

Die Kompositionen sind völlig unaufgeregt und träumerisch, lassen keinen Spielraum für schlechte Laune, sondern übertragen ihre positiven Vibes auf den Hörer. Einige Artrock- oder progressiven Elemente lassen den künstlerischen Anspruch erklingen.  

Ein schönes Album für die Seele....dem Himmel sei Dank !! 


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